Rose







Arbeitskommando A6
ein Außenlager vom KZ Buchenwald







Maschinenhaus

Informationen zum KZ Außenlager Wansleben
mit den Kommandos "Wilhelm" und "Biber II"



Historie der Lagerstätten



Grubenfelder Ernthall und Neu-Mansfeld
Deutschlands Kali-Industrie

Nahe der Ortschaft Wansleben am See im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt befand sich das am 1. April 1924 stillgelegte Kaliwerk Vereinigte Ernsthall". Es bestand durch den mit einem Querschlag verbundenen Grubenfeldern der Schächte Ernsthall (später Georgi) und Neu-Mansfeld.

 

Im Jahre 1897 wurden sieben Grubenfelder verliehen und bereits ein Jahr später, am 25. Februar 1898, begann man mit dem Abteufen des Schachtes Ernsthall. Der Schacht Ernsthall wurde unter dem Namen "Georgi" bekannt. Den Schachtansatzpunkt legte man auf das Gelände der ehemaligen Ziegelei "Henkel & Co." bei Wansleben am See.















Kaliwerk Ernsthall mit Schacht Georgi
Kaliwerk Ernsthall (um 1924)

Am 27. März 1900 stießen die Bergleute in einer Tiefe von 331 Metern auf ein vier Meter mächtiges Kalisalzlager. Das Ausrichten des Grubenfeldes und der Beginn der Kalisalzförderung begann im Jahre 1901. Bis Mitte 1902 wurde der Schacht bis auf 400,5 Meter Tiefe agbeteuft und das Hauptlager erreicht. Es wurde sowohl eine Sohle in 302 Meter als auch in 385 Meter Tiefe angelegt. Die durchschnittliche Förderung pro Tag betrug 298,3 t Carnalit mit einer Belegschaftsstärke von 345 Mann. 1903 wurde die Chlorkaliumfabrik fertig gestellt und auch die Bromproduktion aufgenommen.

Am 15. Dezember 1925 wurde der Schacht stillgelegt.















Schacht Neumansfeld
Schacht Neumansfeld

Nördlich der Grube Georgi und westlich der Grube Krügershall in Teutschenthal wurde die Grube Neumansfeld angelegt. Im Schacht Neumansfeld begannen am 1. September 1910 die Abteufarbeiten. Der Schacht wurde im Jahre 1911 von der 303 m-Sohle (Verbindungsstrecke Schacht Ernshall) aus angefahren. Im Jahre 1912 begann die Ausrichtung des Abbaufeldes auf der 400 m-Sohle im Carnalitlager. 1913 wurde mit dem Abbau begonnen wobei die Förderung des Kalisalzes über den Geogi-Schacht erfolgte

Am 15. November 1925 wurde die Anlage Neumansfeld stillgelegt.















In den Jahren 1942-1945 erfolgte die Nutzung der Kalischächte "Georgi" und "Neu-Mansfeld" durch die Heeresmunitionsanstalt (HMA). Diese Schächte fielen unter die Kategorie so genannter "Heeres-Schächte", die während des NS-Regimes als Lagerräume für Waffen, Munition, BA-Stücke sowie als Produktionsräume für derartiges Heeresgut genutzt wurden. Ab 1943 wurden die unterirdischen Hohlräume als Produktionsstellen hergerichtet.










Transporte nach Wansleben



Waggon für Häftlingstransporte
Der Transport von Häftlingen aus den Stammlagern, wie z.B. das KZ Buchenwald, erfolgte mit Zügen der Deutschen Reichsbahn. Hier wurden Waggons benutzt, sogenannte Viehtransportwaggons wie neben stehend gezeigt. Es kamen Waggons mit Bremserhäuschen und auch ohne Bremserhäuschen zum Einsatz. Im Frühjahr 1944 wurde begonnen, Häftlinge für die Erweiterung der bestehenden Produktionsräume nach Wansleben zu transportieren. Die Transporte wurden über Halle nach Wansleben durchgeführt. Vom Bahnhof Wansleben erfolgte der Weitertransport über die alte Streckenführung zum Kalischacht "Georgi". Dort war an einer Rampe die Endstation für die Häftlinge.
















Bericht einer Zugfahrt
Georges Liotard; Erinnerungen eines KZ Häftlings,

1. Auflage; Druckservice Vera Böpple; Seite 37
Alle Wagenöffnungen waren mit Brettern von außen vernagelt. Kaum war die Verladung abgeschlossen, wurden die Türen von außen verriegelt. Wir konnten sehen, dass bewaffnete Wachposten von oben, aus den die Dächer überragenden Wachhäuschen, die Waggons bewachten. 50 Mann pro Waggon, dessen Ladefläche 50 Personen erlaubte zu sitzen. Nur einige konnten sich ausstrecken. Vorgeprägt durch den Aufenthalt im Gefängnis, passten sich alle schnell an diese Unbequemlichkeit an und schnell war es uns auch sehr wichtig, eine Öffnung zu schaffen, um unsere Strecke zu kontrollieren, die uns unaufhaltsam gen Osten führte. Es dauerte nicht lange zu begreifen, dass die Durchsuchung unserer Sachen uns jeglicher Schneidwerkzeuge, die größer als eine Nagelfeile waren, beraubt hatte. Wir kratzten also wie wir konnten, um wenigstens einen kleinen Sehschlitz zu schaffen. Aber genau so schnell begriffen wir, dass wir auch eine Öffnung brauchten, um nicht zu ersticken. Vor allem, da einige die Kontrolle über sich verloren und tobten, wurde schnell der Sauerstoff knapp. An die Gemeinschaftstoilette waren wir inzwischen gewöhnt. Auch diesbezüglich waren wir schon abgehärtet. Allerdings machte sich schnell der Durst bemerkbar.. Wir verfügten über keinen Wasservorrat. Daran hatte keiner von uns vorher gedacht. Die fehlende Luft und der Durst sollten damit zu unseren zwei Hauptproblemen werden. Der Durst war das Schlimmste. Niemand erwähnte das Wort Hunger, wir hatten zu essen, aber essen ohne zu trinken, das war unmöglich. ... Schlafen oder wenigstens dösen waren quasi unmöglich, da es an Platz mangelte. Die, die am meisten Glück hatten, konnten wenigstens sitzen. Anfangs wurden die Toten, die störten, entlang einer Trennwand gelegt, danach, um Platz zu schaffen, gestapelt und schließlich dienten sie als Sitz...Was lehrt und das ?































Kommando "Wilhelm"
Für diese Arbeiten wurden aus den Stammlagern junge und gesunde Männer ausgesucht. Ihre Tätigkeit bestand in der Erweiterung bestehender Hohlräume. Es wurden auch neue Hohlräume als Produktionsstätten angelegt.

  13.03.1944: 300 Häftlinge aus Buchenwald

  12.04.1944: 7 Häftlinge aus Buchenwald

  03.05.1944: 251 Häftlinge aus Buchenwald

 
















Kommando "Biber II"
In den Monaten ab Mai 1944 wurde begonnen, Häftlinge für die Aufnahme der Produktion nach Wansleben zu transportieren. Dazu wurden aus den Häftlingskarteikarten gezielt nach Dreher, Schlosser, Mechaniker und weiteren Handwerkern ausgewählt.

  09.05.1944: 6 Häftlinge aus Buchenwald

  25.05.1944: 14 Häftlinge aus Buchenwald

  06.06.1944: 12 Häftlinge aus Buchenwald

  13.06.1944: 33 Häftlinge aus Buchenwald

  14.06.1944: 51 Häftlinge aus Buchenwald

  22.06.1944: 15 Häftlinge aus Buchenwald

  05.07.1944: 16 Häftlinge aus Buchenwald

  20.07.1944: 13 Häftlinge aus Buchenwald

  26.07.1944: 50 Häftlinge aus Leipzig-Thekla

  08.08.1944: 29 Häftlinge aus Leipzig-Thekla

  14.08.1944: 50 Häftlinge aus Leipzig-Thekla

  22.08.1944: 4 Häftlinge aus Buchenwald

  01.09.1944: 211 Häftlinge aus Mansfeld AG

  24.10.1944: 81 Häftlinge aus Buchenwald

  27.10.1944: 125 Häftlinge aus Flossenbürg

  30.10.1944: 97 Häftlinge aus Flossenbürg

  03.11.1944: 1 Häftlinge aus Sachsenhausen

  04.11.1944: 301 Häftlinge aus Auschwitz

  13.11.1944: 192 Häftlinge aus Sachsenhausen

  14.12.1944: 150 Häftlinge aus Mansfeld AG

  15.12.1944: 200 Häftlinge aus Buchenwald

  26.12.1944: 92 Häftlinge aus Neuengamme

  09.01.1945: 56 Häftlinge aus Mansfeld AG

 




















































Todesmarsch der Häftlinge
Anfang April 1945 erging der Befehl, alle Häftlinge zu liquidieren. Da der Plan, die Häftlinge in die Schächte einfahren zu lassen, nicht umgesetzt werden konnte, wurden diese am 12.04.1945 mit Proviant versorgt und auf Marsch geschickt. Die etwa 2000 Häftlinge marschierten über Höhnstedt in Richtung Wettin. In einer stillgelegten Tongrube unweit von Zaschwitz wurden etwa 50 Häftlinge erschossen. Da sich die Wachmannschaften weigerten, weiter zu schießen, wurde der Marsch fortgesetzt. Es ging dann über Könnern, Köthen, Quellendorf bis kurz vor Hinsdorf. Dort befreiten heranrückende amerikanische Truppen am 14. April die verbliebenen ca. 1500 Häftlinge.













Kommandoführung des SS Arbeitslagers A6






SS Unterscharführer Kurt Mathesius
SS Hauptscharführer Kurt Mathesius




Porträtfoto des SS-Untersturmführers Kurt Mathesius (geboren am 19.9.1910 in Danzig-Ohra), ab 1941 Schutzhäftlingsführer im Arbeitslager Stutthof; ab 1944 im KZ Buchenwald; von März bis September 1944 Schutzhaftlagerführer im Außenlager Wansleben (A6); ab September - Dezember 1944 Schutzhaftlagerführer im Außenlager Harzungen des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora; Mai 1947 Selbstmord in amerikanischer Gefangenschaft.












SS Hauptscharführer Helbig
SS Hauptscharführer Herrmann Helbig




Hermann Helbig (geboren am 7. Juni 1902), war von 1939 bis zum September 1944 Angehöriger der Lagermannschaft des KZ Buchenwald. Helbig soll beim Kommando 99, dem Exekutionskommando des Konzentrationslagers, mitgewirkt haben. Von März 1943 bis zum Mai 1944 leitete Helbig das Kommando im lagereigenen Krematorium. Die acht Häftlinge des Krematoriumkommandos sollen für ihre Tätigkeit zwei- bis dreimal monatlich einen Karton mit Nahrung, Kaffee und Zigaretten erhalten haben. Als Leiter des Krematoriums war Helbig auch zeitweise der offizielle Scharfrichter des KZ Buchenwald. Ab September 1944 übernahm Helbig den Posten des Kommandoführers im Arbeitskommando A6 in Wansleben. Nach Kriegsende wurde Helbig im Rahmen der Dachauer Prozesse im Buchenwald-Hauptprozess mit 30 weiteren Beschuldigten angeklagt. Helbig wurde beschuldigt, etwa 250 alliierte Gefangene durch Hängen hingerichtet zu haben. Zudem erklärte Helbig, mindestens zehnmal einem Exekutionskommando angehört zu haben, das 15 bis 20 Häftlinge erschoss. Am 14. August 1947 wurde Helbig zum Tode durch den Strang verurteilt und am 19. November 1948 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg hingerichtet.






















SS Obersturmführer Bätz
SS Obersturmführer Bätz




Bätz war der Chef des Führungsstabes A6 in Wansleben. Er stammte aus Nürnberg und wurde in Buchenwald ausgebildet. Weil er angeblich nicht hart genug gegen Häftlinge durchgegriffen habe, wurde Bätz nach Wansleben versetzt. Bätz wurde im März 1945 nach Berlin abberufen und ging später nach Nürnberg zurück.













SS Hauptscharführer Hans Kessel
SS Hauptscharführer Hans Kessel



Kessel war Verwaltungsführer und im Lager verantwortlich für die Beschaffung und Lagerung. Er wohnte mit seiner Frau in Wansleben privat.

Kessel kam nach Kriegsende in ein Internierungslager der britischen Aemee und wurde auf Intervention des ehemaligen Häftlings Franz Kalas wieder frei.














Einzelschicksale von Häftlingen



Eine Zusammenstellung von Informationen über ehemalige Häftlinge, die im Aussenlager in Wansleben tätig waren. Diese stammen aus Veröffentlicheungen in Form von Bücher oder Zeitungsartikeln, aus Interviews oder Briefen.

Besucher Reymond DeClerq
Declercq, Raymond

Raymond Declercq wurde am 31.05.1921 in Poitiers (Frankreich) geboren. Nach Abschluß der Schulbildung wollte er an der Offiziersschule in Saint-Cyr wie sein Vater Offizier werden. Er hatte 1942 die Aufnahmeprüfung bestanden. Nachdem die deutsche Wehrmacht Südfrankreich besetzt hatte wurde die Schule geschlossen. Er suchte dann den Anschluß an eine Widerstandsgruppe, was ihm aber nicht gelang. So beschloß er über Spanien entweder nach Algerien oder nach England zu gehen, um den Kampf gegen die Nazis fortsetzen zu können. Er wurde 20 km vor der spanischen Grenze von der SA festgenommen. Er durchlief verschiedene Gefängnissen, in Dax, Saint-Jean-de-Luce, in Bayonne in der großen Festung Fort Du Ha, in Bordeaux. Im August 1943 wurde er dann in das KZ Compiegne verlegt. Am 20. Oktober wurde er in einen Güterzug verladen. Jeweils 80 Häftlinge pro Waggon, und nach Deutschland verbracht. Nach 3 Tagen Fahrt ohne Essen und Trinken kam der Transport in Buchenwald an. Die SS haben die Waggons geöffnet, haben die Häftlinge mit Stockschlägen heraus getrieben und uns auf dem Bahnsteig antreten lassen. Sie mußten sich entkleiden und wurden in ein Becken mit Desinfektionslösung gesteckt. Danach wurden sie mit einem elektrischem Rasierapparat überall geschoren. Declercq hat im Kommando "Entwässerung" gearbeitet. Das war Arbeit mit Schaufel und Hacke. Sie haben im Wald gearbeitet, mussten Bäume fällen und die Wurzeln roden. Das war im Winter und es war entsetzlich kalt. Am 12.04.1944 wurde Declercq nach Wansleben transportiert und fing unter Tage als Bergmann an zu arbeiten. Mit der Zeit gab es immer weniger zu essen, es gab keine Nahrungsmittel mehr und sie magerten immer mehr ab. Als er befreit wurde im April 1945 wog er nur noch 40 kg. Am 12. April, mit dem Vorrücken der Amerikaner, die schon ganz in der Nähe waren, wahrscheinlich schon in Eisleben, haben die SS-Leute die Häftlinge auf Marsch geschickt. Immer in Kolonnen von 5 Mann nebeneinander und zehn Reihen hintereinander. Am 14.04.1945 erreichten die amerikanischen Truppen Wansleben und befreiten die noch verbliebenen Gefangenen. Gemeinsam mit dem Ehemann von Frau Delatte einem französischem Zwangsarbeiter, ist er am 31. Mai 1945 in Paris angekommen. Von Ende Mai bis September konnte er sich zu Hause erholen. Dann ist er wieder zur Armee gegangen. Zunächst hatte er seinen Abschluß an der Offiziersschule in Saint-Cyr gemacht. Danach ist er zur Fremdenlegion gegangen. Er war in Algerien, Indochina, Österreich (Landeck, Innsbruck) und in Deutschland (Freiburg). Es war eben das Leben eines Militärs damals. Mit 50 Jahren hat er seine Militärlaufbahn beendet und hat begonnen in einer Bank zu arbeiten. In den 70-iger Jahren wurde begonnen, einen Verein der ehemaligen Häftlinge von Wansleben aufzubauen. Er wurde dessen Vorsitzender.Ein letztes Mal besuchte Raymond Declercq Wansleben im Mai 2008 und schilderte sein Schicksal. Raymond Declercq verstarb 2019 in seinem Heimatort.












































Dwornikow, Orest
Dr. Dwornikow, Orest

Orest Dwornikow, geboren am 26.12.1916 in Odessa (Ukraine), wurde in seinem Wohnort Kirowograd am 10.11.1943 von der Sipo Kirowograd verhaftet. Haftgrund war seine Zugehörigkeit zur russischen Bevölkerung. Er praktizierte dort als Arzt. Nach seiner Verhaftung wurde er über die Station Ausschwitz am 10.03.1943 nach Buchenwald überstellt. Mit dem ersten Transport in das Arbeitskommando A6 am 13.03.1944 wurde er dort als Lagerarzt eingesetzt. Neben der Behandlung von Häftlingen wurden auch Einwohner von Wansleben und Angestellte der Wirtschaftsunternehmen von ihm medizinisch versorgt. Dwornikow war einer der führenden Köpfe einer Widerstandsgruppe innerhalb des Lagers. Er blieb bis zur Befreiung am 14.04.1945 im Lager. Nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion praktizierte er wieder als Arzt in Cherson. Im Jahre 1979 stattete er der Gemeinde Wansleben einen Besuch ab. Dabei lernte er auch das 1945 noch zweijährige Mädchen kennen, dass er in einem Notfall als Lagerarzt das Leben gerettet hatte.

















Häftling Falhet, Guy
Falhet, Guy

Guy Falhet wurde am 25.07.1914 in Avignon (Frankreich) geboren. Guy hatte es zu einer privilegierten Stellung gebracht. Er hatte das Vertrauen des SS-Lagerkommandanten gewonnen, der das Lager leitete. Falhet war als ehemaliger Legionär nicht gerade ein „Chorknabe“. Als Luxemburger war er perfekt zweisprachig. Sein Körperbau war der eines reinsten Supermannes, da er sowohl seine Form als auch eine bemerkenswerte Kraft bewahren konnte, während alle anderen vom Elend und vom Hunger gezeichnet waren. Er war zu dieser privilegierten Stellung gekommen, indem er sich, sicherlich ohne Skrupel, mit dem „44", einem so getauften SS-Offizier, einließ. Guy diente ihm und gleichzeitig bediente er sich seiner. Zu seinen Privilegien gehörte seine Lagerstätte auf einem Boden, die zwar einfach, aber für ihn allein war. Wegen seiner erwiesenen Dienste war er geschützt vor der Bevormundung durch den Blockältesten und auch vor einer Vielzahl von kleinen Demütigungen. Sehr schnell wurde Guy zu einem Übersetzer, denn man konnte nur Briefe abschicken und empfangen, die auf Deutsch geschrieben waren. Es gelang ihm während seiner Tätigkeit im Büro, Radio London zu hören. Eines Tages berichtete Guy einigen Häftlingen von einem Rundschreiben, das der Kommandant erhalten hatte. Es enthielt den Befehl zur Vernichtung aller Häftlinge. Unter Mithilfe von Georges Liotard und SS Unterscharführer Kessel floh Falhet am 23.11.1944. Er war zwar später noch einmal aufgegriffen worden, hatte aber seinen Häftlingsaufenthalt in Buchenwald verheimlichen können. Er gab sich als Kriegsgefangener aus. So kam er nach verschiedenen Gefängnisaufenthalten ins Lager Flossenbürg (gelegen in Bayern). Er berichtete später, dass er dort das Schlimmste gesehen und erlebt, dass er in der Zelle dort sogar vor Durst seinen eigenen Urin getrunken habe. Ihm gelang das größte Kunststück, indem er es auch schaffte, aus Flossenbürg zu entweichen und endlich Frankreich zu erreichen. Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt in Frankreich ließ er sich in Luxemburg nieder. Mit einer anständigen Frau, einer Marktfrau, die sich auf Kinderbekleidung spezialisiert hatte, lebte er in Luxemburg als Weinhändler. Nach kurzer Krankheit verstarb Guy Falhet.


































Herling, Szmul
Herling, Szmul

Szmul Herling, geboren am 15.10.1917 in Kielce (Polen), wurde am 29.05.1942 durch das RSHA verhaftet und in Ausschwitz II eingeliefert. Er war ausgebildeter Automechaniker. Nach einem Auffenthalt im KZ Sachsenhausen erfolgte der Weitertransport am 28.12.1944 in das Arbeitslager A6 nach Wansleben zum Kommando "Biber II". Er wurde unter Tage in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Hauptsächlich bei Bau- und Montagearbeiten in den unterirdischer Anlagen zur Produktion von Flugzeugteilen Er überstand den letzten Marsch der Häftlinge und wurde am 14.04.1945 von heranrückenden amerikanischen Verbänden befreit. Nach einer Registrierung am 27.8.1945 im DP Camp Frankfurt lebte er im „Kibbuz“ Zeilsheim. Es erfolgte am 28.8.1945 eine ärztliche Untersuchung in Zeilsheim. Von Bergen-Belsen werden die NOHAM-Mitglieder in Uniformen der Jewish Brigade in Militärfahrzeugen nach Antwerpen geschleust. Nach zwei Monaten Wartens in den zwei Quartieren der Jewish Brigade fahren sie in einem großen Militär-LKW-Konvoi nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer mit ihm in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von „La Sieta“ transportiert wurden. Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI. Am 28.3.1946 erfolgte nach der Überfahrt die Ankunft in Haifa auf der SS TEL HAI. Er lebte ab Juni 1955 im Kibbuz-Namens „Netzer Sereni“. Szmul Herling verstarb am 20.1.1957 im Shebat Tashi’iz Krankenhaus in Israel.



























Kallas, Franz
Kallas, Franz

Franz Kalas wurde am 04.05.1913 in Wien (Österreich) geboren. Als Sohn tschechischer Eltern lebte er bis 1938 dort. Nach der Annexion Österreichs wurde sein Vater am 13. März 1938 von der Gestapo verhaftet, darauf hin floh Franz Kallas in die CSR. Als im Jahre 1939 die Deutschen auch die Tschechei besetzten, schloss sich Kalas der nationalen Widerstandsgruppe an. Durch Verrat wurde er im Jahre 1943 von der Gestapo verhaftet. Er verbrachte 4 Monate in Budweis und 5 Monate in Theresienstadt. Danach wurde Kalas nach Buchenwald transportiert. Nach einem kurzen Aufenthalt dort ging es in das Außenkommando nach Wansleben am See. Unter Hauptscharführer Kessel wurde er als Kapo in der Lagerhaltung eingesetzt. Dabei besaß er die Schlüssel für alle Keller. Kallas wurde von SS Hauptscharführer Helbig damit betraut, die nicht marschfähigen Häftlinge nach der Evakuierung zu betreuen. Er war es auch, der die heranrückenden amerikanischen Verbände in das Lager führte. Er verblieb noch einige Wochen in Wansleben und verlangte mehrere Male von den Amerikanern sie mögen ihn eine Abreise nach der Heimat ermöglichen. Eines Tages fuhr er mit seinem Kameraden Suster auf eigene Faust los. Mit einem Traktor nach Halle, von dort mit der Bahn nach Leipzig und weiter nach Gößnitz. Später mit dem Bus von Meerane über Karlsbad nach Prag in die Heimat zurück. Kalas besuchte Wansleben im Jahr 1983 letztmalig.























Kaufmann, Tibor Georg
Kaufmann, Tibor Georg

Tibor Georg Kaufmann wurde 1922 in Budapest (Ungarn) geboren. Seine Familie war relativ reich. Sein Urgroßvater gründete 1842 eine Keramik-Ofen und eine Keramik-Rohr-Fabrik. Nach der Okkupation der Nazis (März 1944) wurde er nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Von dort ging es mit einem Transport am 14.12.1944 nach Wansleben. Er arbeitete dort unter Tage in der Rüstungsproduktion. Während des letzten Marsches flüchteten er mit drei weiteren Landsleuten. Nach der Befreiung besuchte er die Pesmany Universität und gleichzeitig kümmerte er sich um seine Fabriken. Im Jahre 1956 sprach er sich öffentlich gegen die Kommunistische Führung in Ungarn aus.Er forderte freie Presse, freie Wahlen, freie Religion usw. Mit der Niederschlagung der Revolution flüchtete er mit Frau und Sohn nach Wien. Er emigrierte in die USA und arbeitete für eine Plastic-Firma. Nach einem Jahr wurde er Manager und zuletzt Vize- Präsident. Er war verantwortlich für vier Fabriken. Im Jahre 1998 ging er in Rente.



















Laboda, Jan
Laboda, Jan

Jan Laboda, geboren am 02.02.1898 in Wichowiece (Polen), wurde am 06.10.1939 von der SD Krakau Tarnow verhaftet und in das KZ Auschwitz eingeliefert. Als Haftgrund wurde seine politische Tätigkeit als Spitzel angegeben. Er war bis zu seiner Verhaftung als Schlosser und Mechaniker tätig. Am 29.10.1944 ging es für ihn nach Sachsenhausen und am 13.11.1944 über Buchenwald weiter nach Wansleben. Im Arbeitskommando A6 wurde er dort unter Tage in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Auf dem letzten Marsch gelang ihm in der Nähe des Ortes Gröbzig die Flucht. Er wurde an der Fuhne völlig entkräftet von zwei Frauen entdeckt. Sie versteckten ihn auf dem Heuboden, kleideten ihn neu ein und versorgten ihn. Jan Labode blieb bis 1946 in Gröbzig bis er zurück nach Polen ging. Er besuchte die Familie, die ihm das Leben gerettet hatten, nach 25 Jahren jedes Jahr. Jan Laboda starb 1985


















Liotard, Georges
Dr. Liotard, Georges

Georges Liotard wurde am 5.12.1922 in Saint-Charmond (Loire, Frankreich) als jüngster Sohn von Jeanne und André Liotard, Leiter des Postamtes in der Region Saint-Etienne, geboren. Er besuchte das Gymnasium in Saint-Charmond und im Juni 1940 legte er das mathematisch-philosophische Abitur ab. Im September 1940 erfolgte die Aufnahme des Studiums an der Medizinischen Fakultät in Lyon, 1941 / 1942 zweites Studienjahr der Medizin und erste Aktivitäten in der organisierten Résistance. 1942 / !943 drittes Studienjahr. Im Mai 1943: Abbruch des Studiums, Eintritt in den Maquis der Widerstandsgruppe Périclès. 30.September 1943: Verhaftung in Périgeux, 27.Oktober 1943: Deportation in das KZ Buchenwald unter dem Tarnnamen Gonin. 13.März 1944: Transport in das Lager Kommando Wilhelm nach Wansleben am See. Wechsel vom Krankenpfleger zum Bergmann und Einsatz unter Tage bei der Erweiterung der Hohlräume. Im September 1945: Wiederaufnahme des Medizinstudiums in Lyon, im 1.Semester 1946: gemeinsam mit anderen Medizinstudenten, die die Lager überlebt hatten, ein Krankenhauspraktikum in Kopenhagen; Dänemark: Zusammentreffen mit Grete Hansen, Studentin im 1.Studienjahr der Zahnmedizin, gebürtig in Holbaek, Dänemark. 1948: Abschluss des Medizinstudiums in Lyon und Hochzeit mit Grete in Dänemark. November 1950: Niederlassung als Allgemeinmediziner in Brives-Charensac an der Loire in der Nähe von Puy-en-Velay (Haute-Loire). Bis 1970: Allgemeinmediziner, von 1958 – 1980: teilzeitbeschäftigt als Arzt im Unternehmen Tanneries du Puy /Gerberei in der Auvergne Von 1970 – 1984: teilzeitbeschäftigt als Chefarzt der Geriatrie im Hôtel-Dieu, dann vollzeitbeschäftigt im Krankenhaus Emile Roux du Puy-en-Velay 1984: Rentenbeginn und gelegentliche Aktivität als Medizinexperte bei Gericht. Teilnahme an der „Amicale des anciens de Wansleben“ / Verein der Ehemaligen von Wansleben; Versammlungen und jährliche Reisen mit Kameraden der Deportation (u.a. zweimalige R ückkehr nach Wansleben ins ehemalige Ostdeutschland in den Jahren 1978 und 2003) Georges Liotard verstarb 2007.
































Skomial, Feliks
Skomial, Feliks

Feliks Skomial, geboren am 03.08.1901 in Kocierzew (Polen), erlernte den Beruf eines Schlossers. Er besuchte die Volksschule und leistete seinen Militärdienst. Im Rahmen einer Evakuierung wurde er am 16.09.1944 bei Warschau verhaftet und in das KZ Ausschwitz eingeliefert. Es erfolgte ein Transport am 29.10.1944 nach Buchenwald. Von dort aus ging es direkt weiter nach Wansleben am See. Weitere Informationen sind nicht bekannt.












Skov, Niels Age
Prof. Skov, Niels Age

Niels Age Skov wurde am 06.11.1919 in Nibe (Dänemark) geboren. Er wuchs auf in einer Zeit, in der Dänemark im zweiten Weltkrieg gegen Deutschland kapituliert hatte. Als junger Mann schloss er sich der dänischen Widerstandsbewegung an. Er studierte am Ingenieur Technikum in Kopenhagen. 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet und durchlief verschiedene Lager. Am 16.09.1944 wurde er in das Konzentrationslager Neuengamme eingeliefert. Von dort aus wurde er am 20.12.1944 nach Buchenwald und weiter in das Aussenlager Wansleben transportiert. Hier wurde er unter Tage zur Herstellung von Rüstungsgütern eingesetzt. Auf dem letzten Marsch konnte er fliehen und wurde von der amerikanischen Armee, auf Grund seiner guten Englischkenntnisse, als Militärpolizist eingesetzt. Er assistierte den Alliierten bei der Gefangenennahme von Kriegsverbrechern. Kurz nach Beendigung des Krieges ging Skov nach Amerika. Er promovierte in Wirtschaftswissenschaften und wurde Universitätsprofessor. Er lehrte am Evergreen State College von Mitte bis Ende der achtziger Jahre. 1986 besuchte Niels Skov in Begleitung seiner Ehefrau Eisleben und Wansleben. Er verstarb am 5. Januar 2015






















Sobriale, Jean
Sobriale, Jean

Jean Sobriale, geboren am 01.07.1923 in Dijon (Frankreich), wurde als Student der Kriegsmarine am 16.03.1943 von der BDS Paris verhaftet. Mit einem Transport erreichte er am 29.01.1944 das KZ Buchenwald. Nach einem kurzen Auffenthalt in Buchenwald erfolgte der Weitertransport nach Wansleben zum Kommando "Wilhelm". Er wurde unter Tage als Bergmann eingesetzt. Am 28.07.1944 versuchte er zu fliehen. Mit lediglich leichter, ziviler Kleidung ausgerüstet, konnte er sich in Richtung Eisleben unbemerkt entfernen. Er versteckte sich in einem Feld, wurde von einem Bauer entdeckt und wieder in das Lager zurückgebracht. Als Hausgefangener der Stapo Halle wurd er gefoltert. Nach etlichen Verhören wurde Sobriale von der Gestapo zum Tode verurteilt. Am 11.08.1944 wurde Jean Sobriale in der großen Halle am "Georgi"-Schacht im Beisein der gesamten Häftlinge durch Erhängen hingerichtet Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof in Wansleben beerdigt.























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