Der Transport von Häftlingen aus den Stammlagern, wie z.B. das KZ Buchenwald, erfolgte mit Zügen der Deutschen Reichsbahn. Hier
wurden Waggons benutzt, sogenannte Viehtransportwaggons wie neben stehend gezeigt. Es kamen Waggons mit Bremserhäuschen und auch ohne
Bremserhäuschen zum Einsatz. Im Frühjahr 1944 wurde begonnen, Häftlinge für die Erweiterung der bestehenden
Produktionsräume nach Wansleben zu transportieren. Die Transporte wurden über Halle nach Wansleben durchgeführt. Vom Bahnhof
Wansleben erfolgte der Weitertransport über die alte Streckenführung zum Kalischacht "Georgi". Dort war an einer Rampe die Endstation
für die Häftlinge.
Bericht einer Zugfahrt
Georges Liotard; Erinnerungen eines KZ Häftlings,
1. Auflage; Druckservice Vera Böpple; Seite 37
Alle Wagenöffnungen waren mit Brettern von außen vernagelt. Kaum war die Verladung abgeschlossen, wurden die Türen von außen
verriegelt.
Wir konnten sehen, dass bewaffnete Wachposten von oben, aus den die Dächer überragenden Wachhäuschen, die Waggons bewachten.
50 Mann pro Waggon, dessen Ladefläche 50 Personen erlaubte zu sitzen. Nur einige konnten sich ausstrecken.
Vorgeprägt durch den Aufenthalt im Gefängnis, passten sich alle schnell an diese Unbequemlichkeit an und schnell war es uns auch sehr
wichtig, eine Öffnung zu schaffen, um unsere Strecke zu kontrollieren, die uns unaufhaltsam gen Osten führte.
Es dauerte nicht lange zu begreifen, dass die Durchsuchung unserer Sachen uns jeglicher Schneidwerkzeuge, die größer als eine Nagelfeile
waren, beraubt hatte.
Wir kratzten also wie wir konnten, um wenigstens einen kleinen Sehschlitz zu schaffen. Aber genau so schnell begriffen wir, dass wir auch eine
Öffnung brauchten, um nicht zu ersticken.
Vor allem, da einige die Kontrolle über sich verloren und tobten, wurde schnell der Sauerstoff knapp. An die Gemeinschaftstoilette waren wir
inzwischen gewöhnt. Auch diesbezüglich waren wir schon abgehärtet.
Allerdings machte sich schnell der Durst bemerkbar.. Wir verfügten über keinen Wasservorrat. Daran hatte keiner von uns vorher gedacht.
Die fehlende Luft und der Durst sollten damit zu unseren zwei Hauptproblemen werden. Der Durst war das Schlimmste. Niemand erwähnte das Wort
Hunger, wir hatten zu essen, aber essen ohne zu trinken, das war unmöglich. ... Schlafen oder wenigstens dösen waren quasi unmöglich,
da es an Platz mangelte. Die, die am meisten Glück hatten, konnten wenigstens sitzen.
Anfangs wurden die Toten, die störten, entlang einer Trennwand gelegt, danach, um Platz zu schaffen, gestapelt und schließlich dienten
sie als Sitz...Was lehrt und das ?
Kommando "Wilhelm"
Für diese Arbeiten wurden aus den Stammlagern junge und gesunde Männer ausgesucht. Ihre Tätigkeit bestand in der Erweiterung
bestehender Hohlräume. Es wurden auch neue Hohlräume als Produktionsstätten angelegt.
13.03.1944: 300 Häftlinge aus Buchenwald
12.04.1944: 7 Häftlinge aus Buchenwald
03.05.1944: 251 Häftlinge aus Buchenwald
Kommando "Biber II"
In den Monaten ab Mai 1944 wurde begonnen, Häftlinge für die Aufnahme der Produktion nach Wansleben zu transportieren. Dazu wurden
aus den Häftlingskarteikarten gezielt nach Dreher, Schlosser, Mechaniker und weiteren Handwerkern ausgewählt.
09.05.1944: 6 Häftlinge aus Buchenwald
25.05.1944: 14 Häftlinge aus Buchenwald
06.06.1944: 12 Häftlinge aus Buchenwald
13.06.1944: 33 Häftlinge aus Buchenwald
14.06.1944: 51 Häftlinge aus Buchenwald
22.06.1944: 15 Häftlinge aus Buchenwald
05.07.1944: 16 Häftlinge aus Buchenwald
20.07.1944: 13 Häftlinge aus Buchenwald
26.07.1944: 50 Häftlinge aus Leipzig-Thekla
08.08.1944: 29 Häftlinge aus Leipzig-Thekla
14.08.1944: 50 Häftlinge aus Leipzig-Thekla
22.08.1944: 4 Häftlinge aus Buchenwald
01.09.1944: 211 Häftlinge aus Mansfeld AG
24.10.1944: 81 Häftlinge aus Buchenwald
27.10.1944: 125 Häftlinge aus Flossenbürg
30.10.1944: 97 Häftlinge aus Flossenbürg
03.11.1944: 1 Häftlinge aus Sachsenhausen
04.11.1944: 301 Häftlinge aus Auschwitz
13.11.1944: 192 Häftlinge aus Sachsenhausen
14.12.1944: 150 Häftlinge aus Mansfeld AG
15.12.1944: 200 Häftlinge aus Buchenwald
26.12.1944: 92 Häftlinge aus Neuengamme
09.01.1945: 56 Häftlinge aus Mansfeld AG
Todesmarsch der Häftlinge
Anfang April 1945 erging der Befehl, alle Häftlinge zu liquidieren. Da der Plan, die Häftlinge in die Schächte einfahren zu
lassen, nicht umgesetzt werden konnte, wurden diese am 12.04.1945 mit Proviant versorgt und auf Marsch geschickt. Die etwa 2000 Häftlinge
marschierten über Höhnstedt in Richtung Wettin. In einer stillgelegten Tongrube unweit von Zaschwitz wurden etwa 50 Häftlinge
erschossen.
Da sich die Wachmannschaften weigerten, weiter zu schießen, wurde der Marsch fortgesetzt. Es ging dann über Könnern, Köthen,
Quellendorf bis kurz vor Hinsdorf. Dort befreiten heranrückende amerikanische
Truppen am 14. April die verbliebenen ca. 1500 Häftlinge.